Der Weg zum natürlich gesunden und leistungsstarken Huf
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Anpassung Hufschuhe
Welcher Hufschuh für mein Pferd?
„Ein Pferdebesitzer, der nichts über Hufe und Hufschuhe weiß oder kennt und sich einfach welche ohne Wissen und Beratung bestellt, wird wahrscheinlich genauso wenig damit klarkommen und reiten können, wie wenn er sich ein Paket Eisen kauft.“ Pete Ramey

Diese Aussage von Pete Ramey hat einen sehr großen Wahrheitsgehalt. Die Auswahl des richtigen Hufschuhes für das Pferd ist für den Pferdebesitzer nicht einfach und auch viele Hufexperten haben sich kaum mit diesem Thema befasst. Der scheinbar einfachste Weg ist, jemanden entweder direkt an’s Pferd zu holen, der damit Erfahrung hat, oder sich von Hufschuhverkäufern beraten zu lassen. Doch das führt nicht immer zu einem befriedigenden und optimalen Ergebnis.

Die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl eines passenden und geeigneten Hufschuhes sind:

Die richtige Größe ermitteln. Dazu wird der Huf vermessen. In der Regel genügt die Ermittlung der Huflänge vom Strahlende (Übergang Ballenhorn in den Strahl) bis zur Zehe, da die meisten Hufe eine eher längliche Form besitzen. Bei sehr runden Hufen oder Hufen, die breiter sind als lang, muss man zusätzlich die Hufbreite an der weitesten Stelle des Hufes ermitteln.
Mit den ermittelten Hufmaßen kann man anhand der Maßtabelle des Herstellers die passende Hufschuhgröße auswählen.













Die Hufmaße sind allerdings eher Richtwerte, es ist durchaus damit zu rechnen, dass die gewählte Größe dann doch nicht richtig sitzt. Liegen die ermittelten Hufmaße genau im Grenzbereich der Maßtabelle, ist es in der Regel empfehlenswert, den größeren Hufschuh auszuprobieren.
Von einigen Herstellern gibt es Fit-Kit-Sets; das sind Anpassungsschalen in den jeweiligen Schuhgrößen, die die Anpassung sehr erleichtern können.




Anpassungsschale für den EasyBoot Glove. In diesem Fall zeigt sie, dass der Schuh zu klein ist und einen starken Druck auf die Trachten ausübt.





Viele Hersteller empfehlen, die Hufe direkt nach der Hufbearbeitung zu vermessen.
Ein absolutes Tabu ist es, den Huf passend zum gewünschten Hufschuh in Form zu raspeln!

Die Hufform. Die Form des Hufschuhes und seine Auflagefläche sollten zur Hufform passen. Da fangen dann auch schon die ersten Probleme an, denn viele Pferde haben deformierte (nicht balancierte) Hufe. Bei vielen Hufschuhmodellen ist es wichtig, dass die Hufwände einen geraden Verlauf haben, damit der Halt des Schuhes gewährleistet ist.
Ideal ist es, wenn der Hufschuh satt am Huf sitzt ohne den Huf einzuschränken.
Bei Hufen mit untergeschobenen Trachten/Zwanghufen ist darauf zu achten, dass der Hufschuh im hinteren Bereich den Huf nicht einzwängt. Hufschuhe, die mittels Zugseil und Spannverschluss am Huf gehalten werden, sollten vermieden werden, da der Druck auf die Trachten diese noch weiter unterschieben lässt. Leider haben viele geschlossene Hufschuhmodelle bereits die krankhafte Hufform einer langen Zehe und untergeschobener Trachten übernommen, was absolut kontraproduktiv für den Zustand der Hufe und die Gesundheit der Pferdegliedmaße ist.

zwei Hufschuhmodelle, in der Form untergeschobene Trachte und lange Zehe








Aber auch bei hinten offenen Hufschuhschalen ist darauf zu achten, dass die Trachten ausreichend unterstützt werden. Denn je höher die Sohle des Hufschuhes ist, umso mehr „schwebt“ eine untergeschobene Trachte, was den Druck und die Belastung auf den hinteren Hufbereich und das Fesselgelenk enorm erhöhen.

Die Sohlenfläche der hinten offenen Schuhschale ist in diesem Fall zu kurz und die dicke Sohle erhöht den Druck auf die freischwebende Trachte zusätzlich.







Das Laufverhalten des Pferdes ohne und mit Hufschuh. Der Hufschuh sollte das Laufverhalten nicht stark verändern. Der Raumgriff und ein harmonischer Bewegungsablauf sind wichtig für die Gesunderhaltung der Gliedmaße/des Pferdes.
Bei Pferden, die seitlich auffußen, kann es, vor allem bei Nässe, zum verdrehen des Hufschuhes kommen. Schwierig wird es bei Pferden, die paddeln, bügeln oder beim Aufsetzen/Abfußen drehen, denn die Wahrscheinlichkeit, dass der Hufschuh sich aufgrund der einwirkenden Kräfte am Huf verdreht und/oder verloren geht, ist sehr groß.

Der reiterliche Anspruch und der Einsatzzweck. Ein therapeutischer Hufschuh oder Krankenschuh sollte niemals zum reiten eingesetzt werden, da er dafür auch einfach nicht vorgesehen ist. Entweder bietet er keinen ausreichenden Schutz oder hat einen enormen Einfluss auf das Laufverhalten.
Hersteller von Hufschuhen, die ihre Modelle auch einer ausreichenden Testphase unterzogen haben, geben eine Empfehlung für den Einsatzzweck.
Auch die Einsatzdauer ist von Bedeutung, denn je länger der Hufschuh am Huf bleiben soll, umso weniger Kompromisse darf man bei der Passform und der Befestigung des Hufschuhes machen. Um so länger der Hufschuh am Huf bleibt, umso weniger darf er den Huf einzwängen oder zu Druckstellen führen. Auch ein etwas loser Sitz des temporären Hufschutzes sollte hier keinesfalls sein, um Scheuerstellen und Verletzungen zu vermeiden.
Jeder Hufschuh hat, wie jeder Hufschutz, eine Auswirkung auf den Bewegungsablauf des Pferdes. Da viele Hufschuhe eine hohe Sohle besitzen, kommt es zu starken Ausgleichsbewegungen der Gliedmaßen, was zu einer enormen Belastung des Sehnen- und Bandapparates sowie der Muskulatur führt.

Das Handling des Hufschuhes sollte bei der Auswahl des passenden Modelles sicherlich auch eine Rolle spielen. Doch in der heutigen Zeit gibt es ausreichend Hufschuhmodelle auf dem Markt, die leicht anzuziehen sind.


Bei mir steht die Passform und das Laufverhalten, das das Pferd im Hufschuh zeigt, im Vordergrund. Hufschuhe “passend” basteln gibt es bei mir nicht! Es gibt zwar Viele (Hufschuhverkäufer wie erschreckenderweise auch Pferdebesitzer), die mit Manipulationen am Hufschuh und "rumbgebastel" ein gerade verfügbares oder bevorzugtes Modell irgendwie am Huf zum Halten bekommen. DAS hat in meinen Augen mit Hufschuhanpassung nichts zu tun und schadet dem Pferd manchmal mehr als das es nützt.
Wir haben heute durch die Vielzahl der verschiedensten Hufschuhmodelle die Möglichkeit, den für das Pferd am besten geeignete Hufschuh auszuwählen. Auch hier arbeite ich ohne Dogmatismus und beurteile jedes Pferd und seine Hufe individuell.
Allerdings habe ich mittlerweile auf Grund meiner Erfahrungswerte und meinem Wissen um den Huf einen sehr hohen Anspruch an einen Hufschutz – auch wenn es ein temporärer ist.
Es erscheinen ja immer neue Hufschuhmodelle auf dem Markt, allerdings gibt es kaum welche, die mich überzeugen können. Nur wenige schaffen es tatsächlich bis zum Huf, viele scheiden schon alleine beim Anblick aus. Manche erinnern mehr an mittelalterliche Foltergeräte, wo man sich als Pferde- und Hufmensch wirklich fragt, welche Gedankengänge da bei der Entwicklung im Vordergrund standen. Aber Marketing ist alles, das enthebt scheinbar viele Pferdebesitzer und Hufschuhexperten von der Verantwortung, sich selbst Gedanken über das zu machen, was da ans Pferd gebracht wird. Oberflächliches Wissen nachzuplappern ist ja in der heutigen Zeit leider Normalität.
Ein Hufschutz, egal in welcher Form, ist immer ein Kompromiss.
Letztendlich muss jeder Pferdebesitzer den Willen haben, es auszuprobieren und eigene Erfahrungswerte zu sammeln – und dabei ist es wichtig, auf die Rückmeldungen des eigenen Pferdes zu hören und nicht auf die Stallgassen- oder Internethufschuhexperten. Davon gibt es viele und deren Hauptanliegen sind oft Selbstdarstellung oder wirtschaftliche Interessen.
Mir war es mein Pferd schon immer wert, dass ich mir meine eigene Meinung bilde.




... "Manche erinnern mehr an mittelalterliche Foltergeräte, wo man sich als Pferde- und Hufmensch wirklich fragt, welche Gedankengänge da bei der Entwicklung im Vordergrund standen. Aber Marketing ist alles, ... "




©Manu Volk


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