Der Weg zum natürlich gesunden und leistungsstarken Huf
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Hufimbalancen
Abweichungen von der physiologisch optimalen Gliedmaßenstellung und Hufform
Pferde in der freien Wildbahn haben selten Probleme, die physiologisch korrekte Stellung des Hufes und der Gliedmaße zu entwickeln und beizubehalten. Bereits vom ersten Lebenstag an haben die Fohlen ausreichend Bewegung, um einen gesunden und leistungsstarken Huf zu entwickeln, der den Körper optimal unterstützt. Der anfangs sehr enge Fohlenhuf wird auseinandergedrückt und erfährt genug regelmäßigen Abrieb, um sich anatomisch und physiologisch optimal zu entwickeln.
Ein domestiziertes Pferd hat selten diese natürlichen Bedingungen. Meist mangelt es an genügend Bewegung auf ausreichen abriebintensiven Böden vom Fohlenalter an. Viele Fohlen wachsen in „weich“ eingestreuten Boxen mit mangelnder Bewegung auf. Die tiefe Einstreu bietet dem steilen Fohlenhuf zu wenig Bodengegendruck, Strahl und Trachten können sich nicht weiten und durch die mangelnde Bewegung und damit mangelndem Abrieb kommt es bereits im Fohlenalter zum Zwanghuf. Zudem steht ein Boxenfohlen viel in der bequemen bodenweiten Stellung. Die Innenseite der Hufe erfährt mehr Gegendruck und so wächst das junge Pferd mit „Stellungsanomalien“ auf, die dann als „angeboren“ betrachtet werden.

Mangelndes Wissen von Seiten des Pferdehalters über die Wichtigkeit eines physiologisch korrekten Hufes, mangelnde Bewegung und unzureichende bis fehlende Hufkorrektur durch einen Hufexperten führen zu Imbalancen der Hufkapsel. Wachsen die Hufe zu lang, kommt es durch die Hebeleinwirkungen der Wandüberstände zu Hufdeformationen. Diese sind für das Pferd schmerzhaft und um den Druck-/Zugschmerz zu vermeiden, kommt es zu Kompensations- und Schonhaltungen, die die Situation weiter verschlimmern.

Das gerittene Pferd wird oftmals in der Reitbahn und auf engen Zirkeln bewegt. Ein schlechter Sitz des Reiters und fehlerhafte Reitweise (unvernünftige Versammlung, Ausbinden, Riegeln etc.) haben ebenso wie unpassendes Zaum- und Sattelzeug einen Einfluss auf das biomechanische Gleichgewicht des Pferdes. Gliedmaße und Hufkapsel erfahren unphysiologische Belastungsverhältnisse. Der Körper versucht, dies durch Ausgleichshaltungen zu kompensieren und die flexible Hufkapsel „verbiegt“ sich, um die Gliedmaße weiterhin optimal unterstützen zu können. Deformierte Hufe sind auch immer ein Ausdruck von einem biomechanischen Ungleichgewicht im Körper des Pferdes. Dies bedeutet für das Pferd immer einen Mehraufwand an Energie, was Leistungsschwächen und Verletzungen nach sich zieht.

Eine Verletzung der Gliedmaße kann ebenfalls zu ungleichen Belastungsverhältnissen in der Hufkapsel führen. Zur Schmerzlinderung oder –vermeidung wird das Bein vorsichtiger und damit weniger belastet oder sogar schräg abgesetzt. Die Hufkapsel wächst enger und steiler und wird sich innerhalb kürzester Zeit unter den Schwerpunkt „verformen“.


Fehlen ausreichend Bewegung und Abrieb, ist eine gesunde Hufentwicklung mit angepasstem Hufwachstum kaum möglich. Der Hufexperte muss also die physiologisch korrekte Hufform erhalten und im Falle von deformierten Hufen versuchen, diese durch regelmäßige und korrekte Hufbearbeitung wieder herzustellen, indem er den nötigen Abrieb „simuliert“.

Länger bestehende Anomalien des Hufes und der Gliedmaße haben eine längere Rehabilitationszeit. Straffes Bindegewebe (Bänder/Sehnen) braucht am längsten, bis es sich wieder an die „gesunde“ Form anpasst. Die Korrektur von gravierenden Huf- und Gliedmaßenfehlstellungen (Bockhuf, Steilstellung der Trachten, starke mediolaterale Imbalancen mit negativ eingezogenen Seiten- und Trachtenwänden) bedürfen daher kürzeren Bearbeitungsintervallen und einer längeren Rehabilitationszeit.

Hufe, die keine gleichmäßige Gewichtsverteilung mehr zulassen, veranlassen das Pferd zu Kompensationshaltungen. Diese machen sich durch Gliedmaßenfehlhaltungen, übermäßig ausgeprägte Muskelpartien, stark angespannten Sehnen und Muskeln und in einem unregelmäßigen Gangbild des Pferdes bemerkbar. Auch der Gesichtsausdruck, mangelndes Wohlbefinden und Leistungsschwäche können Hinweise auf Hufimbalancen sein. Der erfahrene Hufexperte erkennt diese Anzeichen und Zusammenhänge. Er ist in der Lage, durch eine schonende Hufbearbeitung dem Huf die Möglichkeit zu bieten, sich der Gliedmaße entsprechend auszubalancieren. Nur so kann die Hufkapsel das Pferd optimal unterstützen und gesunderhalten.




Die Medio-Laterale Balance

Im unteren Beinabschnitt des Pferdes besteht eine Symmetrie; alle vier Beine sind ähnlich aufgebaut. Auffällig hierbei ist, dass vom Röhrbein abwärts bis zum Hufbein die Gelenkoberflächen von Fessel-, Kron- und Hufgelenk auf der medialen Seite minimal kleiner sind als auf der lateralen Seite. Auch beim Hufbein ist die mediale Wandfläche etwas steiler als die laterale. Die Sohlenfläche der Hufkapsel spiegelt dies wieder: die innere Huffläche ist minimal enger als die Äußere. Es besteht daher die wissenschaftliche Vermutung, dass der Huf darauf ausgerichtet ist, minimal mehr Gewicht und Stoßeinwirkungen mit der steileren, inneren Hufseite aufzufangen und das die äußere, etwas flachere Hufseite mehr für die Stabilität und Balance zuständig ist.

Pferde, deren laterale Hufwand steil steht, während die mediale eher flach ist, versuchen mit vielen körperlichen Kompensationshaltungen dieses unphysiologische Belastungsverhältnis auszugleichen. Meist entstehen solche Hufe durch völlig falsche Hufzubereitung.
Mangelnde Pflege der Hufe bereits im Fohlenalter und fehlerhafte Hufbearbeitung führen zu medio-lateralen Ungleichgewichten der Hufkapsel. Ein Pferd als Lauf- und Fluchttier ist immer darum bemüht, das Hufbein medio-lateral bodenparallel zu stellen, um Fehlbelastungen der Gelenke zu vermeiden. Lässt eine falsch bearbeitete Hufkapsel das nicht zu, wird das Pferd über Kompensationshaltungen der Gliedmaße versuchen, dies auszugleichen. Die Hufkapsel wird sich sehr schnell danach ausrichten. Über ein Abflachen einer Hufwand wird so schnell wie möglich die Balance wieder hergestellt.
Meist ist bei medio-lateralen Imbalancen der Hufkapsel die flachere Wand auch die höhere. Dies führt zu der allgemeinen Lehrmeinung, dass in diesem Fall die höhere Wand gekürzt werden muss.

Bei der Hufbearbeitung ist aber nicht der Verstand, sondern die Sohle der wichtigste Führer!! Denn in vielen Fällen zeigt der Wandüberstand an der Sohlenfläche das genaue Gegenteil an.
Wird die Sohle als Führer ignoriert und wird der Huf wiederholt falsch bearbeitet, nimmt die medio-laterale Imbalance immer weiter zu.

Das Pferd wird immer mehr dazu gezwungen, Kompensationshaltungen einzunehmen, die zum Teil zu gravierenden Fehlbelastungen des Knochen-, Sehnen-, Bänder- und Muskelsystems und der Gelenke führen.
Je länger medio-laterale Imbalancen der Hufkapsel bestehen, desto langwieriger ist die Rehabilitation des Hufes und des Pferdekörpers. Ist die mehrbelastete Hufseite negativ eingezogen und zeigt das Pferd bereits über einen längeren Zeitraum durch die Fehlbelastung Bewegungsstörungen oder sogar Lahmheiten, wird sich die Korrektur über einen längeren Zeitraum hinwegziehen.

negativ eingezogene Hufwand durch medio-laterale Imbalance:

Ausreichende und angemessene Bewegung des Pferdes ist für die Heilung wichtig, wobei Longieren, Arbeiten auf dem Zirkel und Führmaschinen zu meiden sind. Der Sehnen- und Bandapparat hat sich ebenso wie die Muskulatur nach den Fehlhaltungen und –belastungen ausgerichtet. Das straffe Bindegewebe der Bänder braucht am längsten, bis es sich wieder an die „gesunden“ Belastungsverhältnisse anpasst.
Haben sich das Hufbein und die Gelenkflächen bereits durch die langanhaltenden Fehlbelastungen umgebaut, bedarf es einer längeren Rehabilitationszeit der Strukturen. Die Hufe sollten in kurzen Abständen bearbeitet werden, um dem Knochen den Anreiz zu geben, sich wieder in seiner physiologisch korrekten Form auszubilden.


Wird bei der fehlerhaften Hufbearbeitung die Sohle durch Beschneiden zu stark ausgedünnt, kann die Sohle dem Druck der Körperlast nicht mehr standhalten und es kommt zum Absinken der stärker belasteten Hufbeinhälfte (medio-laterale Rotation des Hufbeins). Es kommt zu fehlerhaften Belastungen der Gelenke, Sehnen und Bänder, worauf der Körper oft mit Knochenzu- oder –abbau, die von Entzündungen (Arthrosen) begleitet werden, reagiert.

medio-lateral abgesunkenes Hufbein:

Bei der Bearbeitung von medio-lateralen Imbalancen des Hufes ist die Sohle der wichtigste Führer!


Wandverbiegungen durch Imbalancen der Hufkapsel

Gerade bei medio-lateralen Imbalancen der Hufkapsel spreizt sich die weniger stark belastete Seite weg und verbiegt sich. Die flachere „weghebelnde“ Hufwand stabilisiert, stützt und balanciert die Hufkapsel und die Gliedmaße, um zu vermeiden, dass das Hufbein durch die Fehlbelastung auf der mehrbelasteten steileren Hufseite absinkt. Wenn man die Sohlenfläche des Hufes betrachtet, kann man die Wandverbiegung selten erkennen, die Ansicht zeigt lediglich zwei nicht gleich groß geformte Hufhälften.
Huf vor der Bearbeitung:


Auch in diesem Fall darf die Wandverbiegung nur bis zur vorgegebenen dicke der Hufwand begradigt werden! Wird zu viel Hornsubstanz durch abstrecken der Hornwand entfernt, wird das Gleichgewicht des asymmetrischen Hufes weiter zerstört und die stützende Funktion der flacheren Wand wird geschwächt. Um die medio-laterale Balance des Hufbeins zu erhalten, würde das Pferd die Gliedmaße entsprechend ausrichten und die bereits zu stark belastete steile Hufwand würde eine weitere Überlastung erfahren. Die Hufkapsel würde sich innerhalb weniger Tage wieder unter den Schwerpunkt ausrichten und die Wandverbiegung sich weiter verstärken.
Die "Natural Balance" Hufbearbeitung zielt darauf aus, eine tragfähige, balancierte Hufkapsel zu fördern und zu erhalten.
Huf nach der Bearbeitung:


Die Hufwand wird so bearbeitet, dass der Huf nicht geschwächt wird. In den meisten Fällen muss die Hufkapsel einmal balanciert durchwachsen. Sobald die Überlastung der steileren Hufwand minimiert wird, wird auch die Fehlbelastung der Gliedmaße reduziert. Die Hufkapsel kann sich nach dem neuen Schwerpunkt ausrichten und wird sich nach und nach in einer gesunden Form neu bilden. Der Hufbeinträger und der Muskel-, Sehnen-, und Bandapparat regenerieren sich. Der Bewegungsablauf des Pferdes verbessert sich ebenfalls und sorgt somit für eine gleichmäßigere Belastung des Hufes.



©Manu Volk


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