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Die Anatomie der Gliedmaße
Das Pferd ist ein biomechanisch ausbalanciertes, kräftig gebautes Tier, dessen Gliedmaßen ein Beispiel für die perfektionierte Spezialisierung eines Steppenbewohners und Fluchttieres ist. Das Pferd hat sich von seinem Körperbau an die Fähigkeit zur schnellen Flucht und zum ausdauernden Laufen angepasst. Es entwickelte sich zu einem Zehenspitzengänger und durch die Vereinfachung und Streckung der Gliedmaße wurde ein raumgreifender Schritt möglich. Im Laufe der Evolution ging die Winkelung der Handwurzel (Karpalgelenk) ebenso wie die erste und fünfte Zehe verloren. Die zweite und vierte Zehe bildete sich zurück (Griffelbeine) und die dritte Zehe (Hufbein) entwickelte sich zur alleinigen Stützzehe.
Die Bewegung der Gliedmaßen ermöglicht hauptsächlich eine Beugung und Streckung. Bei normaler Haltung wird die Vorhand des Pferdes überwiegend belastet; sie trägt etwa 55-60% der Last, während die Hinterhand die „treibende Kraft“ ist. Die Vordergliedmaße ist mit einer vertikalen, mehrgliedrigen Säule vergleichbar. Die Hintergliedmaße besitzt einen Winkel mehr als die Schultergliedmaße. So kann sie die Kraft für den Anschub liefern, der für eine möglichst raumgreifende Vorwärtsbewegung notwendig ist.
Die Gliedmaßen werden in
- die Zehengliedmaße (Hufbein, Strahlbein, Hufgelenk, Kronbein, Krongelenk, Fesselbein, Fesselgelenk, Gleichbeine)
- die Mittelfußgliedmaße (Röhrbein, Griffelbeine) und
- die Schultergliedmaße (Schulterblatt, Schultergelenk, Oberarm, Ellbogengelenk, Unterarm, Karpalgelenk) bzw.
- Beckengliedmaße (Hüftbein, Hüftgelenk, Oberschenkelbein, Kniegelenk, Unterschenkel, Tarsalgelenk) eingeteilt.
Die Zehen- und Mittelfußgliedmaße sind an Vor- und Hinterhand identisch aufgebaut, die Knochen der Hinterhand sind meist ovaler ausgebildet.


Die Entwicklungsgeschichte des Pferdes

Das Pferd hat sich im Laufe von Jahrmillionen zu einem in seiner Umwelt extrem angepasstes und hochspezialisiertes Tier entwickelt. Der ursprüngliche fünfzehige Säugetierfuß wurde zu einem besonders geeigneten Laufwerkzeug umfunktioniert, der Fußballen entwickelte sich zum Strahl, der Pferdefuß vereinfachte und versteifte sich, um eine größere Unempfindlichkeit und eine höhere Laufgeschwindigkeit zu gewährleisten. Aus dem ehemaligen Laubfresser wurde ein Grasfresser.
Die Vorfahren unseres heutigen Hauspferdes lebten vor 60 Millionen Jahren in der Wäldern der nördlichen Hemisphäre und ernährten sich vornehmlich von Laub. Mit den sich nach und nach verändernden Lebensbedingungen passten sich die Körperform, die Größe und das Gewicht ebenso an wie das Gehirn, das Gebiss und die Gliedmaße.

Eohippus (Hyracotherium)
In der Eppoche des Eozän – vor ungefähr 55 Millionen Jahren lebte ein Urpferd, dass nicht größer als eine heutige Hauskatze war. „Das Pferd der Morgenröte“ wurde Eohippus genannt (später in Hyracotherium umbenannt). Vermutlich war es wie ein Reh gefärbt, mit Flecken für die Tarnung im Wald, ohne Mähne und ohne Schweif. Sein Kopf war kürzer als der des heutigen Pferdes und seine Schnauze ähnelte seinem Verwandten, den heutigen Tapir.
Eohippus hatte vier Vorderzehen und drei Hinterzehen. Es ernährte sich von Blättern, Samen und Früchten und besaß weder die Zähne noch die Klauen für eine Verteidigung. Die Zehen ermöglichten eine leichte Fortbewegung an den feuchten Untergrund des subtropischen Waldes.

Mesohippus
Im mittleren Oligozän (vor ca. 37-25 Millionen Jahre) trat die Art des Mesohippus auf. Die Beine waren länger und schmaler geworden, an der Vordergliedmaße besaß es nur noch drei Zehen. Zwischen jedem Fuß befand sich zwischen und hinter den Zehen Ballen, die der Aufnahme des Körpergewichtes dienten. Die Augen waren noch recht weit vorne angeordnet, das Maul ähnelte aber schon dem des heutigen Pferdes. Die dreizehige Gliedmaße eignete sich für den Lebensraum mit weichem Waldboden; die Gattung des Mesohippus ernährte sich hauptsächlich von Blättern, Samen und Früchten.

Merychippus (mittleres bis spätes Miozän)
Der Merychippus war bereits auf faserreiches Futter mit sehr wenig Eiweiß spezialisiert, da das Klima sich abgekühlt hatte und vermehrt Gräser wuchsen. Sein Kopf sowie das Gehirn waren pferdeähnlicher, das Auge rückte weiter nach hinten und das Maul wurde länger. Zähne und Verdauungssystem stellten sich immer mehr auf die Gräser ein. Die Gliedmaßen spezialisierten sich ebenfalls auf die veränderten Bedingungen und passten sich für die Fortbewegung in der Steppe an. Der Zehenstrahl verstärkte und verlängerte sich, die Seitenzehen dagegen reduzierten sich immer mehr und hatten selbst beim schnellen Lauf keinen Bodenkontakt mehr. Die Griffelbeine des heutigen Pferdes sind Rudimente der seitlichen Zehengliedmaße.

Equus
Vor etwa 1-2 Millionen Jahren (Pleistozän) waren die Vorfahren des heutigen Pferdes unseren heutigen wildlebenden Pferden sehr ähnlich. Das Gehirn ähnelt dem des heutigen Pferdes, der Equus zog in Herdenverbänden über die Steppe und ernährte sich vornehmlich von Gräsern. Die seitlichen Zehen waren vollständig verschwunden. Die Gattung des Equus bildet den einzigen Stamm aller heute noch lebender Einhufer. Nur einige genetische Linien überlebten bis heute; dazu zählt neben dem Przewalski-Pferd und dem Hauspferd der Esel und das Zebra.



Das Pferd steht seit ca. 5000 Jahren unter dem züchterischen Einfluss des Menschen. In seinem Verhalten, der Ernährung und Verdauung und hinsichtlich seiner Ansprüche hat es sich dennoch nicht wesentlich verändert!



Zehenspitzengänger
Das Pferd hat an jeder Gliedmaße nur eine Zehe und steht auf der Zehenspitze, welche von der Hufkapsel (modifizierter Fingernagel)getragen wird. Eine Zehe besteht aus den gleichen Knochengliedern wie der Mittelfinger des Menschen, die Griffelbeine entsprechen dem Zeige- und dem Ringfinger. Der Daumen entspricht der Kastanie und der kleine Finger dem Sporn. Kastanie und Sporn sind Rudimente der ehemaligen vierten und fünften Zehe.



©Manu Volk


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