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Die Hintergliedmaße
Die Hintergliedmaße (Beckengliedmaße) des Pferdes trägt nur ca. 45-40% der Körperlast und ist zum größten Teil für den Vorwärtsschub verantwortlich. Die drei großen Hinterhandgelenke (Hüftgelenk, Kniegelenk, Sprunggelenk) sind mit abwechselnd nach vorn und hinten offenen Gelenkwinkeln angeordnet, was zum einen bei der Streckung der Gelenke für eine große Schrittlänge sorgt, zum anderen kann durch wechselseitige Beugung Last federnd aufgenommen werden. Wird das Pferd so von hinten nach vorne geritten, dass sich das Hüft-, Knie- und Sprunggelenk vermehrt beugen, spricht man von Hankenbeugung.
Die Befestigung der Beckengliedmaße am Rumpfskelett besteht über das Hüftgelenk am Kreuzbein. Diese Verbindung zum Rumpf ist sehr viel stabiler als die Verbindung der Schultergliedmaße und gewährleistet somit die Übertragung der Schubkraft der Hinterhand auf den gesamten Körper.


Das Hüftbein ist der größte flache Knochen im Pferdekörper. Es besteht aus dem paarig verschmolzenen Darm-, Scham- und Sitzbein. Zusammen mit dem Kreuzbein und den drei ersten Schwanzwirbeln bilden sie das knöcherne Becken. Das Darmbein ist der größte Beckenknochen, der zwei Oberflächen, drei Ränder und drei Winkel besitzt. Der Körper des Sitzbeins besitzt zwei Flächen, vier Ränder und vier verschiedene Winkel. Der Sitzbeinhöcker liegt kammförmig am Sitzbein. Das Schambein ist der kleinste der drei Beckenknochen und besitzt zwei Flächen, drei Ränder und drei Winkel.

Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk; durch die vielen haltgebenden Bänder und der kräftigen Muskeln der Umgebung lässt es hauptsächlich Beugung und Streckung zu. Seitwärts- und Rotationsbewegungen sind im geringen Ausmaß ebenfalls möglich. Es wird aus dem Oberschenkelbein und der Beckenpfanne (gebildet von Darm-, Scham- und Sitzbein) gebildet.

Das Oberschenkelbein ist ein Röhrenknochen und der stärkste Knochen des Skeletts. Das proximale Endstück besteht aus dem Oberschenkelkopf und dem Trochanter major, die Bestandteil des Hüftgelenks sind. Das distale Endstück (Trochela) besitzt eine durch zwei seitliche Rollkämme begrenzte Rollfurche, die die Gelenkfläche für die Kniescheibe bilden.

Das Kniegelenk wird aus dem Oberschenkelbein und dem Unterschenkelbein gebildet. Es ist das größte und auch das komplizierteste Gelenk sowie aufgrund seiner Anatomie gleichzeitig auch das schwächste, da anfälligste Gelenk des Körpers. Seine Besonderheit ist die Kniescheibe (Sesambein) und der Feststellmechanismus. Das Kniegelenk ist zweiteilig und besteht aus dem Kniekehl- und dem Kniescheibengelenk. Die beiden Gelenke stehen in enger funktioneller Abhängigkeit zueinander. Das Kniekehlgelenk ist ein Wechselgelenk. Das Kniescheibengelenk wird vom Oberschenkelbein und der Kniescheibe gebildet. Es ist ein Schlittengelenk mit einer Wechselbewegung, bei dem die Kniescheibe (Patella) auf dem Rollkamm des Oberschenkelbeins gleitet. Es bewegt sich synchron zum Kniekehlgelenk. Zwischen den Gelenkflächen des Oberschenkelbeins und des Unterschenkelbeins befindet sich der mediale und laterale Meniskus, die eine Pufferwirkung besitzen. Beide Menisken werden durch straffe Bänder fixiert.

Feststellmechanismus
Das Kniegelenk wird durch den Tonus des mächtigen M. quadriceps femoris in seiner Stellung gehalten. Da diese aktive Muskelarbeit auf Dauer ermüdend ist, entlastet das Pferd regelmäßig eine Gliedmaße, indem durch eine physiologische Kniescheibenfixation das Kniegelenk passiv festgestellt wird. Das Pferd ist so in der Lage, seine Hintergliedmaße zu einer gewichtstragenden stützenden Säule umzuformen. Dabei wird die Kniescheibe bei gestrecktem Knie über den Rollkamm des Oberschenkelbeins gezogen. Mit zunehmender Gewichtsbelastung wird die Kniescheibe stärker in ihrer Position fixiert, so dass kaum Muskelkraft erforderlich ist, um das Kniegelenk und damit auch das Sprunggelenk festzustellen. Die entlastete Gliedmaße wird auf der Hufspitze abgestellt (Schildern).


Das Unterschenkelbein ist ein langer Röhrenknochen, der aus dem starken Schienbein (Tibia) und dem nur rudimentär ausgebildeten Wadenbein besteht. Es trägt das gesamte Gewicht der Hinterhand und strebt schräg nach hinten weg. Die distale Gelenkfläche artikuliert mit dem Sprunggelenk.

Das Sprunggelenk (Tarsalgelenk) ist ein zusammengesetztes Wechselgelenk. Es besteht aus drei Reihen von sechs bis sieben sogenannten Tarsalknochen und entspricht dem menschlichen Knöchel. Durch seine gewinkelte Form kann es den Schwung kraftvoll nach vorne bringen. Das Sprunggelenk arbeitet synchron mit dem Kniegelenk zusammen (Spannsägenkonstruktion). Der komplexe Zusammenschluss von Muskeln, Sehnen und Bändern verhilft dem Sprunggelenk dazu, schnell und rhythmisch zu arbeiten.
Die Tarsalknochen sind in drei Reihen angeordnet, die als
- proximale Reihe
- mittlere Reihe und
- distale Reihe
bezeichnet werden.

Zur proximalen Reihe gehört das Sprungbein (Talus) und das Fersenbein (Calcaneus). Das Sprungbein besitzt eine kräftige Gelenkrolle, die aus zwei ausgeprägten Rollkämmen und einer tiefen Rollfurche besteht. Das Fersenbein ist der größte Knochen im Sprunggelenk. An seinem proximalen Ende befindet sich der Fersenbeinhöcker, der als Ansatzstelle für Sehnen dient.
Die mittlere Reihe wird von dem flachen Knochen Os tarsi centrale gebildet. Die distale Reihe besteht meistens aus drei, in seltenen Fällen auch aus vier Tarsalknochen. Die Tarsalknochen sind straff neben- und übereinander angeordnet und leicht gegeneinander beweglich, was eine Stoßbrechung erlaubt.
Das Sprunggelenk wird von sechs verschiedenen Bändern stabilisiert. Die vollständige Streckung wird durch Seitenbänder verhindert.


Anatomische Unterschiede der Zehengliedmaße an der Schulter- und Beckengliedmaße:

Das Fesselbein der Schultergliedmaße ist etwas länger, proximal etwas schmäler und distal etwas breiter als an der Beckengliedmaße. Das Kronbein der Schultergliedmaße ist breiter und kürzer wie an der Beckengliedmaße. Das Hufbein der Beckengliedmaße ist etwas schmaler als an der Schultergliedmaße. Die Gleichbeine der Schultergliedmaße sind etwas größer und die Strahlbeine etwas breiter und länger.


Die Spannsägenkonstruktion

Die Spannsägenkonstruktion hält die Hinterhand aufrecht. Zwischen Knie- und Sprunggelenk sind sehnige Muskeln an der Vorder- und der Hinterseite gespannt. Wenn das Knie gebeugt wird, sorgen sie dafür, dass auch das Sprunggelenk gebeugt wird. Umgekehrt wird das Sprunggelenk gestreckt, wenn das Kniegelenk gestreckt wird. Die beiden Gegenspieler besitzen einen hohen Anteil sehniger Fasern und nur einen niedrigen Anteil an dehnbaren Muskelfasern, so dass sie eher wie ein Band als wie ein Muskel agieren; sie wirken wie ein gespanntes Seil.

©Manu Volk


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