Der Weg zum natürlich gesunden und leistungsstarken Huf
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Die passive Stehvorrichtung
Die passive Stehvorrichtung ermöglicht es dem Pferd, über einen längeren Zeitraum ohne Energieaufwand auf den Beinen zu stehen oder sogar im Stehen zu schlafen. Pferde können viel länger stehen als die übrigen Haussäugetiere. Um zu verhindern, dass die Gelenke unter dem Körpergewicht einknicken, besitzt das Pferd entsprechende Fixationsmechanismen. Viele Muskeln der Schultergliedmaße sind sehnig durchsetzt oder vollständig zu sehnigen Strukturen umgebildet. Sie werden bei der Belastung durch das Körpergewicht im Stand straff gespannt und stabilisieren die Gelenke ohne aktive Muskeltätigkeit. Durch das Zusammenwirken von Muskeln, Sehnen und Bändern kann sich das Pferd durch dauerhaftes Stehen in einer permanenten Fluchtbereitschaft befinden.

Passive Stehvorrichtung der Schultergliedmaße
Durch einen elastischen, sehnig durchsetzten und ermüdungsfreien Muskel wird das Schulterblatt in seiner Stellung gehalten. Muskeln und Sehnen sorgen für eine Stabilisierung des Schultergelenks, das Ellbogengelenk wird im Stand durch den stark sehnig durchsetzten oberflächlichen Zehenbeuger in Stellung gehalten. Die Spannung der Beugesehnen wird auf ihre Unterstützungsbänder übertragen, wodurch das Karpalgelenk fixiert und dessen Beugung verhindert wird. Das Fesselgelenk wird vom Fesseltrageapparat (Fesselträger, Gleichbeine und Gleichbeinbänder), der oberflächlichen Beugesehne mit ihrem Unterstützungsband und der tiefen Beugesehen mit ihrem Unterstützungsband stabilisiert. Der Fesseltrageapparat verhindert eine Überstreckung des Fesselgelenks. Die Überstreckung des Krongelenks wird durch vier Krongelenkbänder, der tiefen wie der oberflächlichen Beugesehne sowie den geraden Gleichbeinbändern verhindert, die dem Gelenk Stabilität geben. Durch den Ansatz des gemeinsamen Zehenstreckers an der Hufbeinkappe sowie dem Ansatz der tiefen Beugesehne an der Sohlenfläche wird das Hufgelenk bis zu einem gewissen Grad stabilisiert.

Passive Stehvorrichtung der Beckengliedmaße
Um die Kraft für den Anschub liefern zu können, ist die Beckengliedmaße mit kräftigen Muskeln ausgestattet, die nur in geringem Maß sehnig durchsetzt sind. Knapp 60% des Muskelgewichts fallen auf die Beckengliedmaße. Um den Körper nicht nur nach vorne zu bewegen, sondern ihn auch im Stand zu unterstützen und zu tragen, ist das Pferd in der Lage, seine Hinterhand mit einem Minimum an Muskelkraft zu arretieren. Das Becken ist mit dem Rumpf nahezu unbeweglich verbunden und das Hüftgelenk bildet den Stützpfeiler des Körpergewichts dadurch, dass die Hüftgelenkspfannen dorsomedial auf den Oberschenkelköpfen sitzen. Senkrecht darunter befindet sich der Huf.
Die Fixation der Zehengelenke erfolgt auch hier über den Fesselträger und die Beugesehnen. Die Gliedmaße kann so fixiert werden, dass eine Beugung von Knie- und Sprunggelenk sowie eine Überstreckung des Fessel-, Kron- und Hufgelenks nicht möglich sind. Dies wird durch die Fähigkeit des Pferdes, das Kniegelenk zu fixieren (Feststellmechanismus) sowie der Spannsägenkonstruktion von Knie- und Sprunggelenk unterstützt.

Dieses System der passiven Stehvorrichtung ist im gesunden Zustand in Balance: die Sehnenspannungen ohne Muskelkraft (und damit ohne Energieverbrauch) halten die Gliedmaßen in ihrer physiologischen Haltung und Winkelung, die für das Pferd das Optimum darstellt. Diese Balance zwischen dem Beuge- und Strecksehnenapparat kann nur durch Muskelaktivität verändert werden. Wird nun z.B. die tiefe Beugesehne nach fälschlicher Ansicht „entlastet“, indem man das Hufbein durch hochzüchten der Trachten oder durch Keileinlagen steilstellt, wird der passive Halteapparat aus dem Gleichgewicht gebracht: der Körper muss durch Energieaufwand der Muskulatur die Spannung zum Stehenbleiben erbringen. Das Pferd steht nicht mehr ermüdungsfrei sondern muss durch Kontraktion bestimmter Muskelpartien seinen Körper aufrecht halten.
Die passive Stehvorrichtung ist nur bei der physiologisch gesunden Anordnung aller Knochen, bei der Balance der Spannung zwischen dem Strecker- (extensor) und dem Beugersystem (flexor) und bei entspannter Muskulatur möglich. Dazu gehört auch eine Bodenparallelität des Hufbeines und Röhrbeine, die senkrecht stehen.

©Manu Volk


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