Der Weg zum natürlich gesunden und leistungsstarken Huf
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Die Trachten- und die Zehenlandung
Der Zusammenhang zwischen Hufimbalancen und Bewegungsstörungen
Das Pferd hat sich im Laufe der Evolution an seine Umwelt extrem angepasst und sich zu einem Steppen- und Lauftier entwickelt. Der ehemals fünfzehige Säugetierfuß durchlief eine hochspezialisierte Entwicklung der anatomischen Konstruktion auf die Spitze der Zehe (Hufbein). Einzigartige Anpassungsmechanismen (z.B. passive Stehvorrichtung; das Pferd kann viel länger ermüdungsfrei stehen wie andere Tierarten) ermöglichen es dem Pferd, mit nur einer Zehe und der Hufkapsel die Balance, Unterstützung und Stabilität im Stehen und in Bewegung zu erhalten, die es benötigt.
Der Pferdekörper besitzt einige einzigartige und erstaunliche biomechanische Funktionen. Das Ziel der Hufbearbeitung ist es, ein biomechanisches Gleichgewicht innerhalb der Hufkapsel und der Gliedmaße zu erreichen. Mangelnde Bewegung und mangelnder Abrieb zerstören die Balance der Hufkapsel ebenso wie fehlerhafte Hufbearbeitung/-Beschlag. Hufimbalancen haben wiederum Auswirkungen auf den Gang des Pferdes. Sobald der Huf die Gliedmaße nicht mehr physiologisch optimal unterstützt, kommt es zu Gangabweichungen.
Bei einer langen Zehe wird der Abrollpunkt nach vorne versetzt und das Pferd muss mehr Energie aufwenden, da es einen längeren Hebel überwinden muss. Das Pferd wird versuchen, über Ausgleichsbewegungen den Huf schneller vom Boden abzuheben, was meist bedeutet, dass es mehr über die äußere oder innere Zehe abrollt, um schneller wegzukommen. Dies sorgt gleichzeitig wieder für ungleiche Abnutzung des Hufes und eine sich weiter verschlechternde Hufbalance.
Das Pferd ist gezwungen, die mangelhafte Unterstützung der Hufkapsel (medio-laterale und dorso-palmare Imbalancen) über Ausgleichsbewegungen der Schulter und/oder der Gelenke zu kompensieren. Paddeln, Bügeln und ein seitliches Auffußen sind oftmals Ergebnisse eines nicht optimal zur Gliedmaße balancierten Hufes.



Die Trachtenlandung

Hat der Huf ein natürliches Gleichgewicht mit einer optimalen Zehen- und Trachtenlänge, ist die Hufkapsel in der Lage, bei der Landung mit den Trachten und dem Strahl zuerst Bodenkontakt aufzunehmen. Beim Fußen wölbt der Strahl sich nach oben in das Strahl- und Ballenpolster. Dieses wird wie eine Blase zusammengepresst und schiebt dabei die Hufknorpel nach oben und außen. Der Haaransatz breitet sich aus und gibt dem Hufknorpel mehr Raum, sich seitlich zu bewegen. Der Huf dehnt sich im Trachtenbereich aus. Das Strahlbein erhält Unterstützung vom weichen Gewebe, so dass es das Hufgelenk optimal bei seiner Ausrichtung unterstützen kann, um das Gewicht des Körpers in der Stützbeinphase aufzunehmen.

Bei der Trachtenlandung setzt der Huf mit der Trachte (Strahlende/Ballen) zuerst auf. Die Gelenke befinden sich in einer kompletten Dehnung.(zur vollständigen Ansicht die Bilder anklicken)

Der Strahl hat Bodenkontakt und unterstützt die Ausrichtung der Knochen. Die Knochen und Gelenke befinden sich in einer Linie und werden gleichmäßig belastet.

Stützphase:


Der Huf rollt über die Zehenschwiele (natürlicher Abrollpunkt) ab, ohne das die Gelenke, Hufrolle, Sehnen und Bänder einen unphysiologischen Zug/Druck erhalten.



Nur wenn der Huf balanciert und schmerzfrei ist, zeigt das Pferd eine Trachtenlandung. Die Biomechanik des Pferdes kann durch den natürlichen Abrollpunkt des Hufes ideal funktionieren; die Gliedmaße schwingt frei aus der Schulter nach vorne, alle Gelenke befinden sich in einer natürlichen Dehnung und der Huf landet mit der Trachte zuerst. So ist es von der Natur für eine optimale Stoßdämpfung vorgesehen. Die Funktionalität des Hufes wird unterstützt (Stoßdämpfung/ Durchblutung) und kann jetzt durch einen gesunden gleichmäßigen Abrieb weiter gewährleistet werden. Der Raumgriff wird deutlich erhöht und das Pferd geht “weicher”.

Die Zehenlandung

Werden die Trachten zu hoch gelassen und hat der Strahl keinen Bodenkontakt, kommt es zu einer planen Landung oder sogar zu einer Zehenlandung. Hierbei bewegen sich die Trachten eher nach innen als nach außen. Der Strahl sinkt nach unten ab, die Hufknorpel sinken nach unten und innen. Das weiche Gewebe des Strahl- und Ballenpolsters sinkt ebenfalls nach unten ein. Das Strahlbein wird durch den Druck des Kronbeins nach unten gepresst und kann das Hufgelenk nicht unterstützen. Zur gleichen Zeit werden die Trachten nach innen gezogen und zusammengepresst.

Bei der Zehenlandung setzt der Huf mit der Zehe zuerst auf. Die Gelenke befinden sich dabei in einer Biegung nach vorne, was für eine ungleichmäßige Belastung der Gelenkflächen sorgt. (zur vollständigen Ansicht die Bilder anklicken)

Da die Knochen und Gelenke sich nicht in einer geraden Linie befinden, erhält das Kronbein einen unphysiologischen Druck; es weicht nach hinten-unten aus und übt dabei Druck auf Schleimbeutel, Strahlbein und tiefe Beugesehne (Hufrolle) aus.

Der Strahl hat keinen Bodenkontakt und sinkt ebenfalls nach unten ab; er kann der Knochenlinie keinerlei Unterstützung bieten, was ebenfalls für eine stärkere Belastung des Hufrollenbereiches sorgt.
Stützphase:


Durch eine lange Zehe ist der Abrollpunkt nach vorne versetzt …

… und das Pferd muss sich über die Knochenachse aushebeln. Hierbei erfahren Hufgelenk, Schleimbeutel, Strahlbein und tiefe Beugesehne erneut einen unphysilogischen Druck.




Die plane Landung
Bei der planen Landung setzt der Huf mit der gesamten Huffläche gleichzeitig auf dem Boden auf, und zwar in der Betrachtung von vorne, von hinten und von der Seite. Die Stoßdämpfung ist vermindert und es kommt zu unphysiologischen Druckverhältnissen der Gelenke.

Die Zehen- und plane Landung sind ein Zeichen dafür, dass die Balance des Hufes und/oder die Hufgesundheit nicht stimmt. Meist werden durch eine zu hohe Trachte und lange Zehe der Abrollpunkt verzögert.Die Biomechanik ist gestört und das Pferd muss sich unter Einsatz von Muskelkraft über Schulter oder Becken nach oben/vorne hebeln. Die Stoßdämpfung und Blutzirkulation des unteren Beinabschnittes sind gestört, der Schritt ist meist kurz und abgehackt.
Eine Zehen- oder plane Landung spricht meist auch für einen Schmerz im hinteren Bereich des Hufes. Mögliche Ursachen sind:
Hufrollenschmerzen (Strahlbeinlahmheit; Podotrochlose); Strahlfäule, die einen atrophierten Strahl und ein atrophiertes Ballenpolster nach sich zieht ; eine nach vorne weggezogene Zehe und untergeschobene Trachten; eine ausgedünnte Sohlenschwiele oder ausgedünnte Zehenwand; ein Zwanghuf, der eine natürliche Funktion des hinteren Hufbereiches nicht mehr zulässt.
Die Zehen- oder plane Landung werden bei manchen Hufbearbeitungstheorien angestrebt, da sie als „normale“ Fußung betrachtet werden.

Die Trachtenfußung
Eine Trachtenfußung ist dann vorhanden, wenn das Pferd erst mit der Trachte und dann mit der Zehe aufkommt. Es ist ein deutliches “klapp-klapp” zu hören, während sich eine gesunde Trachtenlandung wie ein sanftes”Pflopp” anhört. Die Trachtenfußung ist als ungesund zu betrachten und deutet auf schwerwiegende gesundheitliche Probleme im Zehenbereich des Hufes hin. Pferde mit akuter oder chronischer Hufrehe zeigen eine Trachtenfußung.

Die Zehenfußung
Bei der Zehenfußung berührt der Huf den Boden zuerst mit dem Zehenteil und setzt dann mit der Trachte auf. Sie ist ebenfalls Ausdruck von Schmerzen im Huf. Es ist ebenfalls ein „klapp-klapp“ zu hören. Diese Fußung ist als ungesund anzusehen und deutet auf krankhafte Veränderungen wie z.B. eine zu lange Zehe, ein Hufabszeß oder ein krankhafter Zustand im Trachtenbereich hin.


Die Seitenfußung
Bei der Seitenfußung berührt der äußere oder innere Tragrand des Hufes zuerst den Boden. Es kommt zu ungleichmäßigen Lastverteilungen im Huf. Bestimmte Stellungsabweichungen können zu dieser Art der Fußung beitragen. In schweren Fällen kann sie ein Hinweis auf krankhafte Veränderungen in den Gelenken sein.


©Manu Volk


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