Der Weg zum natürlich gesunden und leistungsstarken Huf
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Den Huf lesen - der Huf zeigt an, was er braucht
Das Ziel der Hufbearbeitung ist es, den Huf zu seiner natürlichen Form, Gesundheit, Funktionalität und Leistungsfähigkeit zu bringen und diese zu erhalten. Deformierte und fehlgestellte Hufe zeigen dem aufmerksamen Betrachter, wo der nötige Abrieb fehlt und wo Imbalancen vorhanden sind. Wer genau hinschaut, sieht die Zeichen, mit denen der Huf signalisiert, wo und wie er bearbeitet werden möchte.

Das Pferd wird im Stand sowie in der Bewegung betrachtet. Ermöglichen die Hufe durch vorhandene Imbalancen keine gleichmäßige und damit korrekte Gewichtsverteilung, kommt es zu unphysiologischen Zuständen im Körper, die mit Muskelanspannung ausgeglichen werden müssen.
Jede Imbalance der Hufkapsel, jede Verbiegung offenbart dem erfahrenen Hufexperten bereits so manche Problematik, die sich evtl. schon in der Bewegung zeigte und die vielleicht sogar vorhandene reiterliche Probleme erklären. Jeder Verbiegung der Hufwand wird Beachtung geschenkt. Hornringe, Risse wie auch Spalten und Ausbrüche geben Auskunft über den Zustand des Hufes.

Fesselachse
Die Fesselachse wird bei der Herstellung der natürlichen Huf- und Gliedmaßenbalance nicht beachtet! Viele Pferde versuchen, Unregelmäßigkeiten und schmerzende Belastungen zu vermeiden, indem sie die Schulter hochziehen. Zudem wird bei einem durch Hufimbalancen gestörten Sehnengleichgewicht die Fessel durch Anspannung der Muskulatur und nicht durch die passive Stehvorrichtung gehalten, was zu einer deutlichen Verfälschung des Fesselstandes führt! Das Pferd schiebt sich in eine für sich angenehme Position, die in den meisten Fällen nicht seiner wahren Gliedmaßenstellung entspricht.


Die Zehenwand dieser Hufkapsel verändert mehrfach den Winkel. Der Huf „schnabelt“ nach vorne weg. Der Kronrand verläuft im Zehenbereich tiefer und wölbt sich nach außen vor. Die Trachten sind viel zu hoch und untergeschoben. Mehrere Hornringe in verschiedenen Stärken laufen um den Huf herum. Dieser Huf zeigt deutliche eine Rotation und Absenkung des Hufbeines.

An der Sohlenansicht ist zu erkennen, dass die Zehe dieses Hufes viel zu lang ist. Zehenwand, Sohle und Abrollpunkt sind nach vorne gezogen. Die Hufwand ist vom Hufbein separiert.Die Trachten und der Strahl befinden sich nicht an ihrer Basis, sondern die gesamte Hufkapsel ist nach vorne gezogen.

An diesem Huf sind die Hufwände im unteren Abschnitt aufgebogen. Der Hufrand ist fransig und ausgebrochen. Der Huf ist zu lang, der Wandüberstand hebelt die Hufwand weg. Es wirken unphysiologische Zug- und Druckkräfte auf den Hufbeinträger ein. Es kommt zu einer Schwächung der weißen Linie und einem Absinken der Sohle. Die Trachten sind untergeschoben, zu hoch und nicht ausbalanciert.Die überlangen Eckstreben biegen sich über die Sohle und verursachen unphysiologischen Druck auf die Sohlenlederhaut und die Hufwand.


Der Verlauf des Kronrandes spiegelt sich oftmals in der Sohlenansicht wieder. Die Hufwand ist zu lang, das Pferd muss auf einem hohen Hornrand herumlaufen. Da sich die Wand nicht abnutzen kann, schiebt sie sich nach oben. Es kommt zu unphysiologischen Zug- und Druckkräften im betroffenen Wandabschnitt, dem Kronpolster und den betroffenen Lederhautabschnitten.


Dieser Hinterhuf zeigt verschobene Ballen sowie untergeschobene und ungleichhohe Trachten. Der Strahl zeigt sehr deutlich seine eigene Höhe und das tatsächliche Trachtenende an. Auch die deformierten Hufwände zeigen durch ihre Sollbruchstellen auf, wie man die Balance des Hufes wieder herstellen kann.

Wenn man den Huf versteht, seine Funktionalität erkennt , dann ist es ein leichtes, ihn auch zu „lesen“ . Und daraus folgt die einfache und doch effektive Bearbeitung - man simuliert den richtigen Abrieb, damit der Huf sich selbstständig formen kann!


K.-F. Hempfling sagte einmal, dass wir die Pferde zwingen, in unsere Welt zu kommen - eine Welt, die das Pferd nicht versteht. Und das wir in die Welt des Pferdes gehen sollten, damit wir das Pferd verstehen und es uns hören kann.
Genauso sehe ich das mit den Hufen heute auch. Wir Menschen glauben, weil es seit Jahrzehnten so geschrieben steht, dass wir es verstanden haben. Anstatt uns an der Natur zu orientieren, die seit Jahrtausenden ihren Lauf geht…
Immer, wenn ich an Gharims Hufen glaubte, alles erreicht zu haben (und seine Hufe befanden sich in einem fürchterlichen Zustand) und das “mehr” nicht mehr geht, durfte ich erfreut feststellen, dass die Heilung immer noch weiter voranschreitet. Früher habe ich versucht, diesen Hufen mein “Wollen” aufzuzwingen - in dem Glauben, ich könnte den Huf in die Richtung zwingen, von der ich meinte, dass es die richtige wäre.
Ich kann mich erinnern, mit welchem “Unglauben” ich mich den Themen “Natural Hoof Care” und Natural Balance Hoof Care" genähert habe. Wie viel Mühe es mich anfangs kostete, mein “altes Wissen” um den Huf, dass ich jahrelang gehört, gelernt und gelesen hatte, zu überdenken und zu überarbeiten - UND ES EINFACH SEIN ZU LASSEN!!
Ich durfte so viel entdecken, lernen, wahrnehmen, "lesen" - und es wird nicht aufhören! Natural Hoof Balance ist eine Hufbearbeitung nach dem Vorbild der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Zum Wohle für das Pferd. Es mit dem Herzen zu (er)leben und dem so erworbenen Wissen umzusetzen, dass macht es aus. Und nicht, wo, was oder bei wem man gelernt hat. Wer glaubt, im Besitz der “alleinigen Wahrheit” zu sein, errichtet Grenzen und Barrieren. Mich hat die Natur gelehrt, ihr offen zuzuhören und dem zu folgen, was sie mir zu sagen hat.
Die Pferde können uns als Vermittler zwischen den Welten so vieles mitgeben, sie sind bereit, für ihren Besitzer da ZU SEIN - wir müssen nur hinsehen!
Und je feiner die Wahrnehmung wird, um so einfacher wird die Hufbeareitung. Der Huf zeigt ganz genau, wo Horn entfernt werden muss.

Bei der Hufbearbeitung ist es wie mit dem Pferd: wenn wir glauben, wir können dem Huf unseren Willen aufzwingen und ihn in eine bestimmte Richtung formen, werden wir nur feststellen, dass sich nicht wirklich etwas verbessert. Rein optisch und damit an der Oberfläche, hat man vielleicht etwas erreicht. Aber in Wirklichkeit hat sich der Zustand verschlechtert.

Diese Hufkapsel zeigt viel zu hohe, untergeschobene Trachten und eine lange nach vorne wegschnabelnde Zehe. Durch eine rein äußerliche Betrachtungsweise wurden die Problematiken des Hufes übersehen. Die hier angewandte Hufbearbeitung ist lediglich eine "Schönraspelei". Rein optisch gleicht der Huf nun mehr der Vorstellung, die man von einem gesunden Huf hat. Doch wer WIRKLICH hinsieht, erkennt, dass sich die Situation des Hufes und der Gliedmaße - und damit auch die des Pferdes - erheblich verschlechtert hat!




©Manu Volk


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